TV-News: Wenn aus "Kacken an der Havel" zu Hause wird
Tonis Mutter ist tot - er muss nach Hause, ob er will oder nicht. Für die von Rapper Fatoni gespielte Hauptfigur ändert sich in der neuen deutschen Netflix-Serie dadurch plötzlich alles.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Wer an Heimat denkt, denkt vielleicht an einen vertrauten Geruch oder den gewohnten Blick aus dem Küchenfenster. Vielleicht ploppt eine Bank am Feldweg in Richtung Sportverein im Kopf auf oder das Gesicht eines alten Freundes aus Kindheitstagen. Für Toni Fleischer (gespielt von Anton Schneider alias Fatoni) scheint der Besuch in seinem Heimatdorf Kacken an der Havel jedoch vor allem eins zu sein: möglichst zu vermeiden.
Toni ist die Hauptfigur der nach ihrem fiktiven Schauplatz benannten Comedyserie "Kacken an der Havel", die ab Donnerstag (26. Februar) auf Netflix zu sehen ist. Er lebt in Berlin, wo er schon lange versucht, Rapper zu werden. Erfolg hatte er damit – anders als sein Darsteller im echten Leben – bislang allerdings noch nicht. Nun ist seine Mutter tot: Sie starb in Kacken an der Havel bei dem Versuch, eine Ente zu retten. Also muss Toni also nach Hause, egal, ob er will oder nicht. Die deutsche Streamingserie zeigt, wie ein Dorf-Vermeider plötzlich doch anfängt, die ungeliebte Heimat zu lieben.
"Schöner, bunter und blöder als die Realität"
Toni muss zurück dorthin, wo sein Stiefvater wartet, der jünger ist als er und ihn – auch deshalb – irgendwie nervt. Er muss in die Stadt fahren, in der eine korrupte Bürgermeisterin regiert, die von Veronica Ferres nicht nur gespielt wird, sondern auch in der Serie selbst so heißt. Und auch sonst wohnen in Tonis Heimatdorf viele wirklich schräge Menschen. Ausgerechnet dort soll sich sein Leben plötzlich grundlegend ändern.
In "Kacken an der Havel" scheint alles überzogen. "Schöner, bunter und blöder als die Realität", wie die Serienmacher Dimitrij und Alex Schaad es beschreiben. Während man über einen und den nächsten – manchmal vielleicht blöden und an andere Stelle auch vorhersehbaren – Witz lacht, zeigt die neue Netflix-Serie auch, wie jeder Mensch Teil von dem Ort ist, an dem er oder sie aufgewachsen ist – völlig egal, ob man es sich selbst gegenüber zugeben möchte.
Nur eine Rolle?
Darsteller Anton "Fatoni" Schneider selbst ist Großstadtkind. Er wuchs in München auf, seit einigen Jahren lebt er in Berlin. Er ist Rapper – einer mit Erfolg. Und Heimat ist für ihn kein Ort, an den er am liebsten nicht zurückkommen will, sondern bedeutet für ihn vor allem Menschen, mit denen er etwas verbindet.
Man könnte also sagen: Mit der Hauptfigur Toni aus "Kacken an der Havel", die er spielt, hat er also eigentlich gar nicht viel gemein. Das sieht Schneider aber anders. Natürlich ist es nicht er, der nach Kacken an der Havel zurückkommt. Aber: "Ich habe schon sehr viel von meiner Persönlichkeit in die Rolle gegeben", sagt der Rapper, der auch in seiner Musik immer wieder erwähnt, eines Tages der erste Tatort-Kommissar sein zu wollen, der rappt.
Nun ist er Hauptdarsteller in einer Netflix-Serie. Hat er sein Ziel damit übererfüllt? "Eine eigene Netflix-Serie ist für mich erstmal noch cooler als Tatort-Kommissar zu werden", antwortet Schneider. Den Kommissar-Witz, den er immer wieder aufnimmt, wolle er aber dennoch "bis zu Ende durchziehen", ergänzt er. "Ob der Tatort dann so cool wird, wie Kacken an der Havel wird sich zeigen."
Veronica Ferres: Hatte Bauchweh vor Lachen
Für manch einen wird "Kacken an der Havel" sicher zu viel sein. Zu viel Klischee, zu viel Farbe - einfach zu viel. Die Rolle von Schauspielerin Veronica Ferres wird dazu beitragen. Als Bürgermeisterin von "Kacken an der Havel" ist die vor allem daran interessiert, Spargel für Großstädter zu produzieren, den man nach dem Essen auf der Toilette nicht riecht. Und weil die Bürgermeisterin gleich auch noch ihren Namen abbekommen hat, ist Rapper Fatoni nicht der Einzige, dessen Persönlichkeit in "Kacken an der Havel" steckt.
"Was gibt es Schöneres für eine Schauspielerin, als sich selbst auf die Schippe zu nehmen - mit allen Klischees und dem, was man so alles vermutet, was über einen gedacht wird", sagt Ferres, wenn man sie darauf anspricht, ob es sie stört, dass die Bürgermeisterin nicht zu den Sympathieträgern der Serie gehört. Der Humor der Serie sei schlau, lobt sie die Schaad-Brüder, die auch an den Drehbüchern mitschrieben. "Ich hatte so Bauchweh vor Lachen, als ich die Serie zum ersten Mal mit Publikum im Kino gesehen habe."
Was ist denn nun alles Heimat?
Gleichzeitig erkenne sie in "Kacken an der Havel" auch die "Provinzialität meines eigenen Aufwachsens", sagt die Schauspielerin im Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Ich hatte damals schon sehr lange Haare und meine Mutter wollte nicht, dass ich mit offenen Haaren in die Schule gehe. Ich hatte immer einen strengen Dutt. Und kaum war ich aus Sichtweite vom Kartoffelhof meiner Eltern, habe ich alles rausgemacht und bin mit der Mähne in die Schule marschiert. Und was haben die Nachbarn gemacht? Sofort zum Hörer gegriffen, meine Mutter angerufen und gefragt, ob sie eigentlich wüsste, was ihre Tochter da tut", schwelgt Ferres in Erinnerungen.
Auch die eigensinnigen Gestalten aus der Heimat gehören zu Heimat eben mit dazu. Sie seien Teil eines Selbstfindungsprozesses während des Aufwachsens, findet die Darstellerin der fiktiven Bürgermeisterin. "Durch sie kann man sich abgrenzen. Sie gehören zu einem, auch durch Verletzungen, durch Enttäuschungen, Hoffnungen und schöne Erlebnisse."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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