Kriminalität: Zelle statt Luxus: Mutmaßlicher Mafiaboss geschnappt

Eine Ferienvilla an der Amalfiküste, wo die Übernachtung 1.000 Euro kostet: Hier geht der italienischen Polizei einer der meistgesuchten Camorra-Chefs ins Netz. Für Ostern hatte er schon vorgesorgt.

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Aus dem geplanten Luxus-Wochenende über Ostern an der italienischen Amalfiküste ist für einen der meistgesuchten mutmaßlichen Mafiabosse ein Aufenthalt im Gefängnis geworden. Der 48 Jahre alte Roberto Mazzarella wurde im Urlauberort Vietri sul Mare am Mittelmeer festgenommen, wo er sich mit seiner Familie in einer Ferienvilla eingemietet hatte. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft.

Dem mutmaßlichen Chef des Mazzarella-Clans aus Neapel werden mehrere Auftragsmorde zur Last gelegt. Auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher des Innenministeriums stand er bislang auf Platz vier. In Italien ist die organisierte Kriminalität mit ihren verzweigten Sippen immer noch weit verbreitet. Rund um die süditalienische Großstadt Neapel - nicht weit von der Amalfiküste entfernt - ist vor allem die Camorra aktiv.

Auch Bargeld und Luxusuhren beschlagnahmt

Der mutmaßliche Mafiaboss hielt sich zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern in dem Resort auf, in einer Villa mit Meerblick und Privatstrand. Die Übernachtung kostet dort 1.000 Euro. Bei seiner Festnahme in der Nacht zum Samstag wurden 20.000 Euro Bargeld, drei Luxusuhren, mehrere Mobiltelefone sowie gefälschte Ausweispapiere beschlagnahmt. Zudem sollen Dokumente sichergestellt worden sein, die Aufschluss über seinen Clan geben. Nach Angaben der Polizei leistete er keinerlei Widerstand.

Mazzarella wird unter anderem zur Last gelegt, bereits im Dezember 2000 die Ermordung des Bruders eines Mafia-Killers in Auftrag gegeben zu haben, nachdem sein Vater getötet worden war. Der Mann wurde damals in einem Feinkostladen in Neapel erschossen. Es gibt aber auch Zeugenaussagen, wonach Mazzarella selbst abgedrückt habe. Seit mehr als einem Jahr wurde er mit Haftbefehl gesucht. Vermutet wird, dass er sich die vergangenen Monate in Frankreich und Spanien aufhielt.

Meloni lobt Festnahme als Schlag gegen Mafia

Der Mazzarella-Clan gilt als eine der einflussreichsten Familien der Camorra in Neapel. Groß wurde sie nach Angaben von Experten mit dem Schmuggel von Zigaretten übers Mittelmeer sowie dem Drogenhandel. Die Camorra zeichnet sich durch eine dezentrale Struktur aus vielen Clans aus, die seit Jahrzehnten verbrecherisch unterwegs sind. International aktiver ist die 'Ndrangheta, die weiter im Süden beheimatet ist.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni lobte die Festnahme. Sie sprach von einem "klaren Signal, dass der Staat sich nicht zurückzieht". Gegen Italiens Politik gibt es immer wieder Vorwürfe, zu wenig gegen die Mafia zu unternehmen oder gar mit ihr verstrickt zu sein.

Süßigkeiten und Fleisch für den Grill

Auf die Spur des mutmaßlichen Bosses kamen die Ermittler auch, indem sie die Aktivitäten seiner Umgebung in den sozialen Netzwerken verfolgte. Mazzeralla selbst benutzte kein Handy. Offenbar fühlte er sich sicher: Als die Polizei die Villa gegen 4.45 Uhr stürmte, schlief er. In der Unterkunft entdeckten die Beamten teure Süßigkeiten sowie hochwertiges Fleisch "Premium beef exclusive": Offenbar wollte die Familie an Ostern grillen.

Die Amalfiküste mit Orten wie Positano gehört zu Italiens beliebtesten und auch teuersten Urlaubsregionen. Vietri sul Mare mit seinen Steilhängen gilt als eine der schönsten Gemeinden Italiens. Dort gab es viele Jahre lang auch eine deutsche Künstlerkolonie.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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