"Artemis" - Rückkehr zum Mond: Reise zum Mond - Männer, Müll, Milliardenkosten

Erstmals seit mehr als 50 Jahren sind wieder Menschen Richtung Mond gestartet. Wie ist es dort - und was gibt's zu holen?

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Am 14. Dezember 1972 verließ Nasa-Astronaut Gene Cernan die Mondoberfläche und gilt seither als "letzter Mann auf dem Mond". Kaum jemand ahnte damals, dass es mehr als fünf Jahrzehnte dauern würde, bis sich im April 2026 erneut Menschen zum rund 400.000 Kilometer entfernten Erdtrabanten aufmachen würden.

Ein A bis Z zu Mond und Mondfahrt:

A Astronauten - reine Männerdomäne

Bisher gab es nur Männer am und auf dem Mond. 24 US-Astronauten flogen bei neun "Apollo"-Missionen von 1969 bis 1972 zum Mond. Zwölf davon betraten den Erdtrabanten.

B Bodenschätze - für Mondbauten und Erdindustrie

Fossile Energieträger gibt es auf dem Mond nicht. Mondgestein enthält aber Metalle wie Eisen, Titan, Aluminium und Magnesium. Gehofft wird zudem, Seltene Erden und Metalle wie Platin, Palladium, Rhodium und Silizium ausbeuten zu können. Auch Helium-Gewinnung sei angedacht, sagt Volker Ossenkopf-Okada von der Universität Köln.

C Chemie - Atmen unmöglich

Der Mond hat keine Atmosphäre im herkömmlichen Sinne, sondern nur eine extrem dünne Exosphäre aus nicht einmal zehn Tonnen Material.

D Drumherum versus drauf

Um den Mond fliegen oder darauf landen - das ist ein großer Unterschied. Eine Landung sei bis zu zehnmal riskanter, schätzt Martin Tajmar von der Technischen Universität Dresden.

"Jedes Manöver innerhalb einer Mission birgt zusätzliches Risiko, dass etwas schiefgehen kann", erklärt Claas Olthoff von der Universität Stuttgart. Am stärksten mit Risiken verbunden sei es, wenn die großen Triebwerke gezündet werden - etwa bei Start, Landung, Einschuss in die Rückkehrbahn zur Erde und Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

E Eigentum - Mondgrundstücke gibt es nicht

Wem gehört der Mond? Eigentlich niemandem. Er gehört gemäß dem Weltraumvertrag von 1967 allen Staaten gemeinsam und unterliegt keinem nationalen Eigentumsanspruch.

F Flagge hissen für den Stolz der Nation

Eines der berühmtesten Bilder der Mondlandung 1969 zeigt Astronaut Buzz Aldrin neben einer US-Flagge. Lange stehen blieb sie nicht: Nach Angaben Aldrins wurde sie beim Abheben vom Mond von den Raketendüsen umgeweht.

Bei weiteren "Apollo"-Missionen folgten fünf weitere US-Fahnen, 2020 hisste China bei einer unbemannten Landung die rote Flagge mit den Sternen.

G Geräusche - Explosion, na und?

Schall braucht ein Medium wie Luft oder Wasser. Auf der Mondoberfläche herrscht aber praktisch Vakuum, deshalb breiten sich Geräusche nicht aus. Selbst eine Explosion in einigen Metern Entfernung wäre nicht zu hören.

H Haudegen oder Hasardeur?

"The Eagle has landed" - Der Adler ist gelandet. Dass Neil Armstrong dies bei der ersten Mondlandung 1969 sagen konnte, ist ein kleines Wunder. Zuletzt scheiterten mehrere Missionen daran, eine schlichte Sonde sanft auf dem Mond aufsetzen zu lassen. Beim Abbremsen von einigen Tausend Kilometern pro Stunde auf null am Boden lassen sich beim Mond mangels Atmosphäre keine Fallschirme oder Tragflächen verwenden, störanfällige Bremstriebwerke müssen genutzt werden.

I Interplanetare Zukunft?

Erst zum Mond, dann zum Mars? Der Mond ist etwa drei Tage von der Erde entfernt, der Mars sechs bis neun Monate. Eine Notfall-Rückkehr und Nachbesserungen von der Erde aus sind auf unserem Begleiter wesentlich schneller möglich. Darum gilt der Mond als Testumgebung für Technologien, die auf dem Mars eingesetzt werden könnten.

J Jahreszeiten - Wie ist der Winter auf dem Mond?

Auf dem Mond gibt es keine Jahreszeiten. Auf der Erde entstehen durch die Neigung der Erdachse von etwa 23,5 Grad unterschiedliche Sonneneinstrahlungswinkel und Tageslängen - und damit die Jahreszeiten. Gewaltige Unterschiede gibt es dennoch: Die Tag-Nacht-Differenz ist auf dem Mond viel größer als alle Jahreszeiten auf der Erde, wie Ossenkopf-Okada sagt.

K Kosten - Was man damit alles kaufen könnte

Der Aufwand für eine Mondlandung steigt enorm, wenn man nicht eine Sonde, sondern einen Menschen im Mondstaub absetzen will. China sei für etwa 200 Millionen US-Dollar mit einem Rover auf dem Mond gelandet, sagt Tajmar. "Das "Artemis"-Programm hat bis jetzt fast 100 Milliarden US-Dollar gekostet." Billiger werde es künftig wohl mit involvierten privaten Anbietern wie Blue Origin.

L Landeplatz - Gebündelte Begehrlichkeiten

Begehrtes Ziel für Landemissionen ist der Südpol des Mondes. Das dortige Wassereis kann bei der Versorgung von Mondbasen mit Trinkwasser, Sauerstoff und Treibstoff nützen. Kraterränder erhalten fast durchgehend Sonnenlicht für Solarpaneele, der ständige Erdsichtkontakt ermöglicht stabile Funkverbindungen. Die sechs "Apollo"-Landungen fanden dagegen in äquatornahen Regionen statt.

M Mondmobile

Drei identische Mondautos (Lunar Roving Vehicles, LRV) wurden zum Mond gebracht, das erste 1971 mit "Apollo 15", 1972 zwei weitere. Die elektrisch betriebenen Zweisitzer wogen leer etwa 200 Kilogramm und hatten ungefähr 35 Kilometer Reichweite.

N Namen - Symbol nationaler Identität

Raumfahrer haben verschiedene Bezeichnungen. Neben den Astronauten westlicher Länder gibt es die Kosmonauten der einst sowjetisch geprägten Länder und die Taikonauten Chinas.

O Objekt, menschliches - Windeln, Schrott und eine Bibel

Das erste menschliche Objekt auf dem Mond war die sowjetische Sonde "Luna 2", die 1959 auf der Oberfläche einschlug. In den Jahrzehnten danach entstanden mancherorts wahre Müllhalden. Neben den Überresten erfolgreich gelandeter oder zerschellter Sonden hat die Menschheit dort rund tausend Dinge zurückgelassen: Werkzeuge, Seife, Handtücher und Nagelscheren, aber auch Fäkalienbeutel und Windeln sowie Golfbälle, eine Bibel, 100 Banknoten und ein Familienfoto.

P Planschen - Ozean aus glühender Lava

Es gibt viele mit "Mare" - lateinisch für Meer - bezeichnete Gegenden auf dem Mond, weil frühe Beobachter dunkle Mondregionen als Ozeane ähnlich den irdischen Meeren interpretierten. Tatsächlich gab es nie ein Meer mit flüssigem Wasser auf dem Mond. Die Mare bestehen aus geschmolzener Lava aus dem Mondinneren.

Q Quartier - Gemütlich ist anders

Raumfahrtagenturen wie Nasa, Esa und die chinesische CNSA wollen Quartier am oder auf dem Mond beziehen. Auch Unternehmen wie SpaceX und Blue Origin bekunden Interesse. Angekündigt wurden Projekte wie die Nasa-geführte Orbit-Station "Lunar Gateway" sowie eine chinesisch-russische und eine Nasa-"Artemis"-Basis, beide am Mond-Südpol.

R Regolith - gar nicht gut für Atemwege und Augen

Regolith ist die teils viele Meter dicke, pulvrige Bodenschicht, die die Mondoberfläche bedeckt. Sie entstand über Milliarden Jahre durch immer neue Meteoriden-Einschläge. Anders als irdischer Staub oder Sand bleiben die Partikel ohne den Einfluss von Wind oder Wasser scharfkantig wie Schleifpapier. Die durch die Sonnenstrahlung elektrostatisch aufgeladenen Splitterchen haften penetrant an Anzügen und Geräten.

S Spaziergänge - Ausflüge zum Daten und Steine sammeln

Der erste Aufenthalt auf der Mondoberfläche endete nach zweieinhalb Stunden. Maximal etwa 60 Meter entfernten sich Armstrong und Aldrin von ihrer Mondlandefähre. Später legten Astronauten zu Fuß maximal drei Kilometer zurück - per Mondauto schafften sie bis zu 35 Kilometer.

T Theia - Ursprung des Mondes

Der Mond bildete sich nach derzeitigem Wissensstand durch den Einschlag des marsgroßen Protoplaneten Theia auf die Urerde vor rund 4,4 Milliarden Jahren. Aus der Erde geschlagene Gesteinstrümmer vereinten sich vermutlich in nur wenigen Tausend Jahren zu einer Kugel, die unseren Planeten seither begleitet.

U Unsportlich? - Dann auf zum Mond!

Der Mond hat einen Durchmesser von etwa 3.500 Kilometern und nur ein 81-stel der Masse der Erde. Die Gravitationskraft auf dem Mond beträgt darum nur ein Sechstel der Erdschwerkraft. Selbst extrem unsportliche Menschen könnten hier Rekorde im Hoch- und Weitsprung aufstellen, Bälle und Kugeln lassen sich extrem weit werfen.

V Vulkane - Einst heftig brodelnd, inzwischen erloschen

Nach seiner Entstehung dürfte der Mond vulkanisch ungeheuer aktiv gewesen sein. Noch vor etwa 120 Millionen Jahren brodelten Studien zufolge wohl aktive Vulkane auf dem Mond.

W Warm und kalt - Ort der Extreme

Die Oberfläche erhitzt sich durch Sonneneinstrahlung extrem auf stellenweise mehr als 120 Grad, kühlt aber nachts rapide ab, da keine Atmosphäre Wärme speichert oder verteilt. Nachts können die Werte unter minus 230 Grad sinken.

X Xenon - Ionenantriebe mit Xenon-Gas

Die Raketen des Artemis-Programms nutzen hauptsächlich flüssigen Wasserstoff als Treibstoff. Für künftige Einsätze in der Raumfahrt getestet werden auch elektrische Systeme. Ionenantriebe ionisieren Gas - derzeit überwiegend Xenon - und stoßen die Ionen mit hoher Geschwindigkeit aus, um Schub zu erzeugen. Bei Satelliten und Raumsonden sind elektrische Antriebe schon im Einsatz. Für bemannte Missionen liefern die Systeme noch bei weitem nicht genug Schub.

Y sYnchrone Rotation - Mond und Erde drehen gleich

Der Mond befindet sich in synchroner Rotation mit der Erde. Das heißt: Er dreht sich genau einmal pro Umlauf um die Erde auch um die eigene Achse. Dadurch zeigt er der Erde stets dieselbe Seite. Die Mondrückseite bleibt von der Erde aus unsichtbar.

Z Zweiter sein - nur Premieren fesseln die Menschheit

Wer waren die ersten Menschen auf dem Mond? Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin. Menschen weltweit verfolgten ihre Landung. Und wer waren die Astronauten der zweiten Mondlandung? Deutlich unbekannter. Premieren ziehen, danach verlieren Menschen schnell das Interesse.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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